Leienbach, Viola2026-04-092026-04-092025https://epub.uni-luebeck.de/handle/zhb_hl/3626Eine Infektion mit dem humanen Cytomegalievirus ist die häufigste konnatale Infektion und kann zu akuten Erkrankungen und/oder schwerwiegenden neurologischen Langzeitfolgen führen, auch bei asymptomatischer Infektion. Aktuell gibt es keine Empfehlung eines generellen postnatalen Screenings. In dieser Arbeit geht es um die Fragen, ob innerhalb der Studienpopulation von Frühgeborenen mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm konnatal infizierte Kinder diagnostiziert wurden, ob tiefgefrorenes Nabelschnurgewebe als mögliches Material eines Screenings auf CMV-Infektionen mittels rt-PCR verwendet werden kann und ob sich Unterschiede zwischen Frühgeborenen zeigen, welche postnatal antiviral mit Ganciclovir oder Valganciclovir therapiert wurden gegenüber nicht antiviral therapierten Frühgeborenen. Sowohl das Material (Nabelschnurgewebe) als auch die klinischen Daten wurden erhoben vom German Neonatal Network. In vier von 3323 Nabelschnurgewebeproben wurde der Nachweis von CMV-DNA gefunden, welches als Beweis einer konnatalen CMV-Infektion angesehen wurde. Alle vier Kinder wurden postnatal mit Ganciclovir oder Valgancivlovir therapiert. Weiterhin wurden statistisch die Daten von 10217 Frühgeborenen untersucht, welche postnatal während ihres stationären Aufenthaltes Ganciclovir oder Valganciclovir als antivirale Therapie einer konnatalen oder postnatalen CMV-Infektion erhalten hatten. Antiviral therapierte Kinder ohne Nachweis von Viren in der Nabelschnur waren deutlich kleiner und unreifer und mussten häufiger mit weiteren klinischen Maßnahmen wie tracheale Beatmung, Gabe von Surfactant, Katecholaminen, Blutprodukten sowie Steroidhormonen behandelt werden. Außerdem zeigte sich häufiger ein schlechtes Outcome im Sinne eines pathologischen Hörscreenings, einer Sepsis, einer Hirnblutung oder einer anderen schweren Komplikation. Dies entspricht dem bekannten Risikoprofil der symptomatischen postnatalen CMV-Infektion, welche nur bei extrem unreifen Frühgeborenen auftritt. Die Mortalität zeigte sich nicht erhöht. Tiefgefrorenes Nabelschnurgewebe erwies sich als geeignetes Material einer rt-PCR zum Nachweis einer konnatalen CMV-Infektion. Jedoch zeigte sich in unserer Arbeit eine niedrigere Prävalenz (0,12%) als in anderen Arbeiten. Aufgrund des retrospektiven Screenings fehlte eine weitere Untersuchung eines Kontrollmediums des Kindes wie Speichel oder Urin, welche in Kliniken als gängige Diagnostik einer CMV-Infektion durchgeführt wird. Dies ist weiterhin der Goldstandard, da laut aktueller Literatur diese Form der Diagnostik besser anwendbar sowie sehr spezifisch und sensitiv ist. Ein generelles Screening auf eine konnatale CMV-Infektion für sehr kleine Frühgeborene nach Geburt ist daher laut dieser Arbeit empfehlenswert, um bei einem hohen Risiko für Langzeitfolgen entsprechend engmaschige Follow-up Untersuchungen durchführen zu können. So können frühzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden, um die Folgen gering zu halten.decCMVFrühgeboreneFrühgeburtkonnatale CMVrt PCR610Screening auf konnatale CMV-Infektionen bei sehr kleinen Frühgeborenenthesis.doctoralurn:nbn:de:gbv:841-202604091